Kunstgeschichte

Romanische Kunst: Merkmale, Beispiele und 8 Aufgaben

Die romanische Kunst (11.-12. Jh.) nutzt Rundbogen, Gewölbe und dicke Mauern gegen den Gewölbeschub. Zusammenfassung mit Tabellen, Beispielen und 8 Aufgaben.

Empfohlen für: 8. Klasse · 9. Klasse

Die romanische Kunst prägt Westeuropa im 11. und 12. Jahrhundert. Drei Merkmale erkennt man sofort: den Rundbogen, die Steingewölbe und die dicken Mauern mit wenigen Fenstern, die das Gewicht der Decke tragen müssen. Plastik und Malerei, stets im Dienst der religiösen Botschaft, vervollständigen das Bild.

Hintergrund: Warum entsteht die Romanik?

Nach dem Jahr 1000 beruhigt sich Europa: Die Überfälle gehen zurück, die Bevölkerung wächst, der Handel belebt sich und neue Städte entstehen. Kirche und Klöster sind die großen Auftraggeber, und die Pilgerfahrten (nach Santiago de Compostela, Rom und Jerusalem) bewegen Menschen, Geld und Ideen über den ganzen Kontinent. Gebraucht wurden große, feste Bauten, die weniger brandgefährdet waren als die alten Holzdächer.

Der Name „Romanik“ ist neuzeitlich: Gelehrte des 19. Jahrhunderts wählten ihn wegen der Ähnlichkeit mit römischen Bauformen (Bogen, Gewölbe). Der Stil ist nicht einheitlich, es gibt regionale Spielarten, ähnlich wie bei den romanischen Sprachen. Um zu sehen, woher die Vorbilder kommen, lohnt ein Blick auf das Römische Reich, dessen Techniken und Formen die Romanik übernimmt, und auf das antike Griechenland als Grundlage der klassischen Tradition.

Bauteile der romanischen Architektur

BauteilWas es istWozu es dient
Rundbogenhalbkreisförmiger Bogeneinfache Form, von Rom übernommen
TonnengewölbeBogen, der wie ein Tunnel verlängert istdeckt das Langhaus in Stein
Kreuzgratgewölbezwei Tonnen, die sich rechtwinklig kreuzenüberspannt quadratische Joche und bündelt die Kräfte auf den Pfeilern
Dicke Mauernmassive Wände, teils über einen Meterhalten dem Seitenschub der Gewölbe stand
Strebepfeileran die Wand gesetzte Verstärkungenwirken dem Schub von außen entgegen
Kleine Fensterschmale, schlitzartige Öffnungenschwächen die Wand nicht
Pfeiler und Säulengebündelte oder runde Stützenleiten das Gewicht in den Boden
KryptaRaum unter dem Chorbewahrt Reliquien und Gräber
GlockenturmTurm für die Glockenmacht die Kirche weithin sichtbar

Ein einziges Prinzip erklärt fast alles: Je schwerer die Decke, desto dicker müssen die Mauern sein.

Der Grundriss der Kirche

Der häufigste Grundriss ist das lateinische Kreuz: ein langes Mittelschiff, oft mit zwei Seitenschiffen, vom Querhaus gekreuzt, am Ende die halbrunde Apsis. Pilgerkirchen haben zusätzlich einen Chorumgang mit Kapellenkranz, der den Gläubigen erlaubt, an den Reliquien vorbeizuziehen, ohne die Feier zu stören. Die Fassade zeigt oft Portale, Blendarkaden und manchmal ein Radfenster.

Romanische Plastik

Die Bildhauerei wird wieder monumental und konzentriert sich dort, wo sie gebraucht wird: Kapitelle, Portale, Tympana, Kreuzgänge und Fassaden. Sie sucht nicht den Realismus, sondern die Botschaft.

  • Bedeutungsmaßstab: Die wichtigste Figur (Christus, Maria) ist die größte.
  • Anpassung an den Rahmen: Die Figuren biegen sich, um in ein Kapitell oder Tympanon zu passen.
  • Symbolik: Tiere, Fabelwesen und Szenen von Gut und Böse belehren.
  • Keine Perspektive: Szenen werden in Streifen gelesen, von oben nach unten.

Eine Überlieferung führt den Gedanken der Bilder als „Buch der Ungelehrten“ auf Papst Gregor den Großen zurück: In einer Gesellschaft, in der nur wenige lesen konnten, erzählte die Plastik am Portal die Bibel und mahnte zum Jüngsten Gericht. Beispiele: die Tympana mit dem Jüngsten Gericht in Conques und Autun, Letzteres von Gislebertus signiert, und die Genesis-Reliefs von Wiligelmo am Dom von Modena.

Romanische Malerei

Die Malerei ist vor allem Wandmalerei (Fresko) in Kirchenschiffen und Apsiden, dazu kommen gemalte Kreuze, Tafelbilder und Buchmalerei. Das häufigste Motiv in der Apsis ist Christus in der Mandorla (Pantokrator), umgeben von Aposteln und den Evangelistensymbolen. Die Figuren stehen frontal, mit festen Konturen, flächigen Farben und eindringlichem Blick. Berühmtes Beispiel: die Wandmalereien von Sant Climent de Taüll in Katalonien. Außerhalb der Kirchen erzählt der Teppich von Bayeux (um 1070) als Stickerei die normannische Eroberung Englands.

Beispiele, die man kennen sollte

LandBauwerkWorauf achten
DeutschlandDom zu Speyer (begonnen um 1030, geweiht 1061)riesige Kaiserkirche
DeutschlandDome zu Worms und MainzTeil der rheinischen Kaiserdome
DeutschlandAbteikirche Maria Laach (ab 1093)geschlossene Baugruppe mit Türmen
FrankreichSaint-Sernin, Toulousegroße Pilgerkirche mit Chorumgang
FrankreichAbtei ClunyZentrum des Mönchtums; dritte Kirche ab 1088
SpanienKathedrale von Santiago de Compostela (ab 1075)Ziel des Jakobswegs, Chorumgang, Portico de la Gloria (1188)
EnglandKathedrale von Durham (ab 1093)Rippengewölbe schon in normannischer Zeit
ItalienPiazza dei Miracoli, Pisa (Dom ab 1064)übereinanderliegende Arkaden, freistehender Glockenturm

Romanik und Gotik im Vergleich

RomanikGotik
Zeit11.-12. Jahrhundertab der Mitte des 12. Jahrhunderts
BogenRundbogenSpitzbogen
GewölbeTonne und einfaches KreuzgratKreuzrippengewölbe
Mauerndick, Strebepfeilerdünn, Strebebögen
Fensterkleingroße Glasfenster
Wirkungwaagerecht, massigsenkrecht, schlank
Innenraumgedämpft, geschlossenhell
Plastiksymbolisch, rahmengebundennaturnäher, Statuen an den Portalen

Die häufigsten Fehler

  • Glauben, „romanisch“ heiße „aus römischer Zeit“. Es ist ein mittelalterlicher Stil, der mehr als fünf Jahrhunderte nach dem Ende des Weströmischen Reiches entsteht.
  • Rundbogen und Spitzbogen verwechseln. Der eine ist ein Halbkreis, der andere läuft spitz zu und gehört zur Gotik.
  • Behaupten, die Romanik kenne kein Kreuzgratgewölbe. Sie kennt es, aber ohne Rippen und Spitzbögen, die erst ein Gewölbe gotisch machen.
  • Romanische Plastik „hässlich“ nennen, weil sie keine Perspektive hat. Sie folgt anderen Regeln: Bedeutungsmaßstab, Symbole, Anpassung an den Raum.
  • Regionale Unterschiede vergessen. Die lombardische, die normannische, die katalanische und die rheinische Romanik sehen verschieden aus.
  • Meinen, der Glockenturm stehe immer an der Kirche. In Italien ist er oft ein freistehender Turm, wie in Pisa.

Übersicht zum Merken

StichwortMerken
Zeit11.-12. Jahrhundert, Westeuropa
AuftraggeberKirche, Klöster, Pilgerfahrten
Bogen und Gewölberund; Tonne und Kreuzgrat
Mauerndick, mit Strebepfeilern und kleinen Fenstern
Grundrisslateinisches Kreuz, Querhaus, Apsis, manchmal Chorumgang
PlastikKapitelle und Portale, symbolisch und hierarchisch
MalereiFresken, Christus Pantokrator
GegenstückGotik: Spitzbogen, Glasfenster, Höhe

In den Aufgaben unten findest du eine Richtig-oder-falsch-Aufgabe, die Zuordnung der Bauteile, eine Datumsrechnung zu Speyer und Maria Laach, ein Geometrieproblem zum Rundbogen, die Ursache-Wirkung-Kette Mauern und Fenster, die Einordnung Romanik oder Gotik, die Logik der Pilgergrundrisse und das Lesen eines Figurenportals.

Gelöste Aufgaben

1. Richtig oder falsch? Verbessere die falschen Aussagen. a) Der Begriff „romanisch“ wurde von Gelehrten des 19. Jahrhunderts geprägt. b) Der typische Bogen der Romanik ist der Spitzbogen. c) Romanische Mauern sind dünn und haben große Fenster. d) Pilgerwege halfen bei der Verbreitung des Stils. e) Die Gotik entstand vor der Romanik. base

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  1. a) Richtig: Im Mittelalter sprach niemand von „Romanik“. Der Name ist neuzeitlich und verweist auf die Ähnlichkeit mit römischer Baukunst (Rundbogen, Gewölbe).
  2. b) Falsch: Der romanische Bogen ist der Rundbogen, also ein Halbkreis. Der Spitzbogen ist das Kennzeichen der Gotik.
  3. c) Falsch: Die Mauern sind dick und die Fenster klein, weil schwere Steingewölbe nach außen drücken und die Wände standhalten müssen.
  4. d) Richtig: An den Wegen nach Santiago, Rom und Jerusalem entstanden große Kirchen für Pilgermassen, und mit den Pilgern reisten Baumeister und Ideen.
  5. e) Falsch: Die Romanik prägt das 11. und 12. Jahrhundert; die Gotik entsteht um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Frankreich und löst sie ab.

Ergebnis: a) Richtig; b) Falsch (Rundbogen); c) Falsch (dicke Mauern, kleine Fenster); d) Richtig; e) Falsch (die Gotik kommt später)

2. Ordne jedem Bauteil seine Funktion zu: 1) Strebepfeiler; 2) Tonnengewölbe; 3) Querhaus; 4) Krypta; 5) Tympanon; 6) Glockenturm. Funktionen: a) Raum unter dem Chor, der Reliquien bewahrt; b) durchgehende halbzylinderförmige Decke über dem Langhaus; c) Querarm, der dem Grundriss die Kreuzform gibt; d) massive Verstärkung außen, die dem Schub der Wand standhält; e) halbkreisförmiges Feld über dem Portal, oft mit Reliefs; f) Turm für die Glocken. base

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  1. 1) Strebepfeiler: ein außen an die Wand gesetzter Pfeiler, der dem seitlichen Schub der Gewölbe entgegenwirkt. Antwort d.
  2. 2) Tonnengewölbe: ein in die Tiefe verlängerter Rundbogen, wie ein Tunnel über dem Langhaus. Antwort b.
  3. 3) Querhaus: kreuzt das Langhaus im rechten Winkel und bildet das lateinische Kreuz. Antwort c.
  4. 4) Krypta: halb unterirdischer Raum unter dem Chor, in dem Reliquien und Gräber liegen. Antwort a.
  5. 5) Tympanon: halbkreisförmiges Feld über dem Türsturz des Portals, oft mit Reliefs. Antwort e.
  6. 6) Glockenturm: Turm für die Glocken, der die Kirche weithin sichtbar macht. Antwort f.

Ergebnis: 1-d; 2-b; 3-c; 4-a; 5-e; 6-f

3. Der Dom zu Speyer wurde um 1030 begonnen und 1061 geweiht. Die Abteikirche Maria Laach wurde 1093 begonnen, der Chor von Saint-Denis, das erste große gotische Werk, 1144 geweiht. a) Wie viele Jahre lagen bei Speyer zwischen Baubeginn und Weihe? b) Wie viele Jahre zwischen dem Baubeginn in Speyer und dem in Maria Laach? c) Wie viele Jahre zwischen dem Baubeginn in Maria Laach und der Weihe des Chors von Saint-Denis? d) In welches Jahrhundert fällt jedes Datum? base

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  1. a) Ich ziehe das frühere Datum vom späteren ab: 1061 − 1030 = 31 Jahre.
  2. b) 1093 − 1030 = 63 Jahre.
  3. c) 1144 − 1093 = 51 Jahre.
  4. d) Für das Jahrhundert nimmt man die Hunderterstelle und addiert 1: 1030 → 10 + 1 = 11. Jahrhundert; 1061 → 11. Jahrhundert; 1093 → 11. Jahrhundert; 1144 → 12. Jahrhundert.
  5. Hinweis: Als Saint-Denis geweiht wurde, baute man anderswo noch romanisch. Die Stile überlappen sich.

Ergebnis: a) 31 Jahre; b) 63 Jahre; c) 51 Jahre; d) 1030, 1061 und 1093: 11. Jahrhundert; 1144: 12. Jahrhundert

4. Ein romanisches Langhaus ist 10 m breit und mit einem Tonnengewölbe aus Rundbögen gedeckt, das in 12 m Höhe ansetzt. a) In welcher Höhe liegt der Scheitel des Gewölbes? b) Warum kann man das Langhaus mit Rundbögen nicht höher machen, ohne es zu verbreitern? c) Was ermöglicht der Spitzbogen? intermedio

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  1. a) Der Rundbogen ist ein Halbkreis: Sein Radius ist die halbe Breite, r = 10 : 2 = 5 m.
  2. Ein Halbkreis steigt genau um seinen Radius über die Kämpferlinie: 12 + 5 = 17 m am Scheitel.
  3. b) Beim Rundbogen ist die Bogenhöhe immer die halbe Spannweite: Bei 10 m Spannweite steigt er nur 5 m. Für mehr Höhe muss man verbreitern, aber ein breiteres Gewölbe ist schwerer und drückt stärker auf die Wände.
  4. c) Der Spitzbogen ist kein Halbkreis; seine Höhe lässt sich unabhängig von der Breite wählen. Bei gleicher Spannweite kann er viel höher sein und leitet die Kräfte steiler nach unten, deshalb strebt die Gotik so in die Höhe.

Ergebnis: a) 17 m (12 + 5); b) weil beim Halbkreis die Höhe immer die halbe Spannweite ist; c) einen höheren Bogen bei gleicher Breite, mit steilerem Kräfteverlauf

5. Erkläre in einer Ursache-Wirkung-Kette, warum romanische Kirchen dicke Mauern und kleine Fenster haben und was das für den Innenraum bedeutet. intermedio

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  1. Ausgangspunkt: Man wollte statt einer Holzdecke ein Steingewölbe (Tonnen- oder Kreuzgratgewölbe), weil Stein feuerfester und haltbarer ist.
  2. Ein Steingewölbe ist sehr schwer und drückt nicht nur nach unten, sondern auch seitlich gegen die Wände und will sie auseinanderschieben.
  3. Damit nichts einstürzt, müssen die Mauern massiv sein. Man fügt Strebepfeiler und kräftige Pfeiler hinzu, die Mauerstärke kann über einen Meter betragen.
  4. Eine Wand, die Schub aufnimmt, verträgt keine großen Öffnungen: Jedes Fenster schwächt sie. Deshalb sind die Fenster klein, schmal und oft schlitzartig.
  5. Folge im Inneren: wenig Licht, ein gedämpfter, geschlossener Raum, der zur Andacht passt. Die Gläubigen orientieren sich eher an gemalten und gemeißelten Bildern als am Licht, das in der Gotik mit den großen Glasfenstern zum Hauptthema wird.

Ergebnis: Schweres Steingewölbe → Seitenschub auf die Wände → dicke Mauern und Strebepfeiler → nur kleine Öffnungen → dunkler, geschlossener Innenraum, in dem Malerei und Plastik wichtig sind.

6. Ordne jedes Merkmal der Romanik (R) oder der Gotik (G) zu: 1) Rundbogen; 2) Rippengewölbe mit Spitzbögen; 3) große bunte Glasfenster; 4) dicke Mauern mit Schlitzfenstern; 5) Strebebögen außen; 6) figürlich gestaltete Kapitelle mit biblischen Szenen; 7) große Höhe und Vertikalität. intermedio

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  1. 1) Rundbogen → R: das auffälligste Merkmal des Stils.
  2. 2) Rippen und Spitzbögen → G. Vorsicht: Das einfache Kreuzgratgewölbe (zwei sich kreuzende Tonnen) gibt es schon in der Romanik; erst Rippen zusammen mit Spitzbogen werden typisch gotisch.
  3. 3) Große Glasfenster → G: möglich nur, weil Strebebögen den Schub von der Wand wegleiten.
  4. 4) Dicke Mauern und Schlitzfenster → R.
  5. 5) Strebebögen → G: das äußere Tragwerk, das die Wände leichter macht.
  6. 6) Figürliche Kapitelle → R: Die romanische Plastik erzählt heilige Geschichten und Symbole an Kapitellen, Portalen und Kreuzgängen.
  7. 7) Vertikalität → G: Die Romanik bevorzugt waagerechte, massige, ruhende Formen.

Ergebnis: 1-R; 2-G; 3-G; 4-R; 5-G; 6-R; 7-G

7. Viele romanische Pilgerkirchen haben Seitenschiffe, ein weites Querhaus und einen Chorumgang mit Kapellenkranz um die Apsis. Erkläre, welches praktische Problem diese Lösungen lösen. avanzato

Lösung anzeigen
  1. Das Problem: An Festtagen kamen Pilgermassen, und die Reliquien des Heiligen (zum Beispiel in Santiago oder Toulouse) mussten sichtbar sein, ohne dass der Besucherstrom die Gottesdienste stört.
  2. Seitenschiffe, oft mit einer Empore darüber, schaffen zusätzlichen Platz und erlauben Bewegung neben dem Mittelschiff, ohne die Messe zu unterbrechen.
  3. Das weite Querhaus bringt zusätzliche Altäre und nutzbare Fläche: Mehrere Priester können gleichzeitig zelebrieren.
  4. Der Chorumgang ist ein Gang um den Chor: Die Pilger gehen im Kreis an den Kapellen und Reliquien vorbei, ohne umzukehren und ohne den Chor zu durchqueren.
  5. Die Kapellen des Kranzes vermehren Altäre und ausgestellte Reliquien. Das lateinische Kreuz ist also nicht nur Symbol, sondern auch ein Wegeplan.

Ergebnis: Große Menschenmengen bei den Reliquien lenken: Seitenschiffe und Emporen schaffen Platz, das Querhaus bringt Altäre, der Chorumgang mit Kapellenkranz bildet einen Rundweg, der die Gottesdienste nicht stört.

8. Ein Mitschüler behauptet, romanische Reliefs seien „unbeholfen“, weil die Figuren seltsame Proportionen hätten und es keine Perspektive gebe. Antworte, indem du drei Merkmale der romanischen Plastik und ihre Funktion erklärst, am Beispiel eines Portals mit dem Jüngsten Gericht. avanzato

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  1. Erstes Merkmal: Bedeutungsmaßstab. Christus als Richter ist viel größer als die Seligen und die Verdammten: Die Größe zeigt Wichtigkeit an, nicht Entfernung.
  2. Zweites Merkmal: Die Figuren passen sich dem Rahmen an (Tympanon, Kapitell, Archivolte). Sie biegen, strecken oder verkleinern sich, um den Bauraum zu füllen: Die Plastik ist Teil des Gebäudes.
  3. Drittes Merkmal: klare, symbolische Gesten, intensive Ausdrucksweise, keine Perspektive. Wer nicht lesen konnte, verstand auf einen Blick, wer in den Himmel kommt und wer bestraft wird.
  4. Funktion: die Gläubigen vor dem Betreten der Kirche belehren und mahnen. Eine Überlieferung führt den Gedanken der Bilder als „Buch der Ungelehrten“ auf Papst Gregor den Großen zurück.
  5. Fehler vermeiden: die Romanik an den Maßstäben der Renaissance messen. Sie will nicht die Wirklichkeit abbilden, sondern eine Botschaft vermitteln, in einer Sprache, die zu diesem Zweck passt.

Ergebnis: Bedeutungsmaßstab, Anpassung an den Bauraum und symbolische Gesten ohne Perspektive: Das sind keine Mängel, sondern Ausdrucksentscheidungen, weil die Bilder die religiöse Botschaft allen vermitteln sollten.

Häufige Fragen

Was sind die wichtigsten Merkmale der romanischen Kunst?

In der Architektur: Rundbogen, Tonnen- und Kreuzgratgewölbe, dicke Mauern mit Strebepfeilern, kleine Fenster, lateinischer Kreuzgrundriss und massiger Eindruck. In Plastik und Malerei: symbolische Figuren, Bedeutungsmaßstab, keine Perspektive und religiöse Themen zur Belehrung der Gläubigen. Die Epoche reicht etwa vom 11. bis zum 12. Jahrhundert.

Warum heißt die Romanik „Romanik“?

Weil Gelehrte des 19. Jahrhunderts eine Ähnlichkeit mit der römischen Baukunst sahen: Rundbögen, Gewölbe, massive Bauten. Der Name ist neuzeitlich. Er bedeutet nicht, dass der Stil in Rom entstand oder die Antike genau nachahmt.

Was ist der Unterschied zwischen Romanik und Gotik?

Die Romanik verwendet Rundbögen, dicke Mauern und kleine Fenster; die Gotik Spitzbögen, Rippengewölbe, Strebebögen und große Glasfenster. Die erste wirkt waagerecht und massig, die zweite senkrecht und hell. Die Gotik entsteht um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Frankreich, als man noch romanisch baut.

Welche romanischen Bauwerke in Deutschland sind besonders bekannt?

Häufig genannt werden die Kaiserdome in Speyer, Worms und Mainz, die Abteikirche Maria Laach in der Eifel. Der Speyerer Dom gehört zum UNESCO-Welterbe.

Woran erkennt man eine romanische Kirche?

Achte auf drei Dinge: die Bögen (halbrund), die Mauern (dick, mit wenigen kleinen Fenstern) und die Plastik (Kapitelle und Portale mit biblischen Szenen und Symboltieren). Siehst du Spitzbögen, große Glasfenster und sichtbare Strebebögen, ist es fast sicher gotisch.